Wie wir die Welt sehen

Was ist ein Paradigma?

Das Wort kommt ursprünglich aus dem Griechischen und wird heutzutage verwendet um, um ein Modell, eine Theorie, Wahrnehmung, Annahme oder Bezugsrahmen zu bezeichnen. Es bezieht sich allgemein auf die Art, in der wir die Welt „sehen“. Nicht als visuelle Wahrnehmung, sondern als Aufnehmen, Verstehen, Interpretieren.

Stell dir vor, du willst an einen bestimmten Punkt im Zentrum Frankfurts gelangen. Dafür benutzt du einen Stadtplan. Aber du hast den falschen Stadtplan bekommen. Durch einen Fehler der Druckerei, ist das, woran du dich zu orientieren versuchst, der Stadtplan von Hannover. Kannst du dir ausmalen, wie frustriert du wärst, wie wenig effektiv die Bemühungen wären?

Du könntest dein Verhalten ändern – dir mehr Mühe geben oder doppelt so schnell sein. Aber deine Bemühungen würden dich nur noch schneller an den falschen Ort bringen.

Du könntest deine Einstellung ändern – positiver denken. Leider bist du noch immer verloren.  Das grundlegende Problem hat nichts mit deinem Verhalten oder deiner Einstellung zu tun. Es hängt damit zusammen, dass du den falschen Stadtplan hast.

Dann, wenn du den richtigen Stadtplan von Frankfurt hast, wird Fleiß wichtig. Wenn du unterwegs auf frustrierende Hindernisse triffst, kann es wesentlich auf deine Einstellung ankommen. Aber die erste und wichtigste Bedingung ist die Genauigkeit des Stadtplans.

Jeder von uns hat viele, viele Arten von Karten im Kopf. Sie lassen sich in zwei Hauptkategorien unterteilen: Karten, wie die Dinge sind, also von den Realitäten, und Karten, wie die Dinge sein sollten, also von Werten. Wir interpretieren alles, was wir erfahren, anhand dieser mentalen Landkarten. 

Dabei stellen wir nicht mal ihre Genauigkeit in Frage. Meist sind wir uns nicht mal bewusst, dass wir sie benutzen. Wir nehmen einfach an, dass die Art, in der wir die Dinge sehen, auch die Art ist, wie sie sind oder wie sie sein sollten.

Und unsere Einstellung und unser Verhalten erwachsen aus diesen Annahmen. Die Art und Weise wie wir die Dinge sehen, ist die Quelle unseres Denkens und Handelns.

Stell dir vor, du siehst ein Bild und das exakt identische Bild wird einer zweiten Person gezeigt. Es lässt sich nicht sicher sagen, was auf dem Bild zu sehen ist. Du erkennst auf dem Bild eine 20-jährige elegante, junge Frau, während die zweite Person eine alte Frau erkennt. Sie sei mindestens 60, 70 Jahre alt und sieht traurig aus, hat eine riesige Nase und ist ganz gewiss kein Model. Völlig entsetzt seid ihr euch beide sicher, der richtigen Meinung zu sein. Die Übung zeigt, dass zwei Menschen dasselbe sehen, sich darüber uneinig sind und doch jeder für sich recht haben kann.

Das ist nicht logisch, das ist psychologisch. 

Diese Wahrnehmungsübung zeigt, wie stark unsere Paradigmen die Art und Weise beeinflussen, in der wir mit anderen Menschen interagieren. Auch wenn wir die Dinge klar und objektiv zu sehen glauben, beginnen wir zu erkennen, dass andere sie aus ihrer offenbar ebenso klaren und objektiven Sichtweise anders sehen.

„Wo wir stehen hängt davon ab, wo wir sitzen.“

Jeder von uns neigt zu dem Glaube, er sähe die Dinge, wie sie sind, er sei objektiv. Aber so ist es nicht.

Wir sehen die Welt nicht so wie sie ist, sondern so wie wir sind – oder wie wir sie zu sehen konditioniert sind.

Wenn wir den Mund aufmachen, um zu beschreiben, was wir sehen, beschreiben wir eigentlich uns selbst, unsere Wahrnehmungen und unsere Paradigmen. Wenn jemand anderer Meinung ist, denken wir automatisch mit ihm sei etwas nicht in Ordnung. Aber wie die Übung zeigt, sehen auch ernsthafte, nüchterne Menschen die Dinge ganz unterschiedlich.

Jeder schaut durch die einzigartige Brille seiner Erfahrungen.

Das heißt nicht, dass es keine Tatsachen gibt. Aber die jeweilige Interpretation einer Tatsache repräsentiert frühere Erfahrungen und Einflüsse.

 

 

Wenn dir jemand sagt: „Du kannst das nicht“, zeigt er dir seine Grenzen. Nicht deine.

 

Inspirationen aus dem Buch Die 7 Wege zur Effektivität